eine Familien-Chronik

Gestatten, dass ich mich vorstelle. Andreas Buhr, Vergolder- und Staffierermeister. Warum ich Vergolder geworden bin? Einerseits, erblich vorbelastet, würde ich sagen. Urgroßvater, Großvater, Eltern, mein Gitterbett in der Werkstätte, Werkzeug als Spielzeug, und später auch immer gerne bei den Eltern im Geschäft. Andererseits dieses Hingezogenfühlen zum Handwerk. Etwas Schaffen. Etwas Wertvolles erhalten. Die Herausforderung aus etwas Unansehnlichem was Schönes zu machen. Und dann das Strahlen in den Gesichtern meiner Kunden.

 

Und wen es interessiert, hier meine kleine Familiengeschichte:

 

Eduard Buhr, mein Urgroßvater, eröffnete  1898 in der Wickenburggasse im 8. Bezirk sein Geschäft. Arbeiten in der Provinz und in den Kronländern Triest und Trient brachten viele Erfolge. 1928 starb Eduard Buhr und hinterließ einen gut eingeführten Betrieb, den sein Sohn Raimund Buhr I in zweiter Generation übernahm. Mit  Ausbruch des Krieges musste auch Raimund Buhr I zum Militär und der Betrieb wurde geschlossen. 1947 wurde im 19. Bezirk eine neue Werkstätte errichtet.

Zu diesem Zeitpunkt absolvierte sein Sohn, mein Vater, Raimund Buhr II eine Lehre als Figurenhersteller bei der damals sehr bekannten Firma Bortolotti in Wien-Landstraße. Nach abgelaufener Lehrzeit begann Raimund Buhr II im väterlichen Betrieb die Vergolder- und Staffiererlehre, welche er drei Jahre später mit der Gesellenprüfung abschloss. Nach bestandener Meisterprüfung 1957 eröffnete er mit Gattin Trude, welche er bei den Wiederaufbauarbeiten in der Wiener Staatsoper 1954 kennen gelernt hatte, 1961 in der Neustiftgasse 84 in Wien-Neubau einen Vergolderbetrieb.

 

Arbeiten in Schloss Schönbrunn, Stadtbahnstation Karlsplatz, Otto-Wagner Haus Wienzeile, großer Redoutensaal Hofburg, verschiedene Kirchenrestaurierungen wie Servitenkirche, Karlskirche, Stift Melk usw. zeigten, dass auch hier Qualitätsarbeit das erste Gebot war. Die Bestellung zum Vorsitzenden in die Lehrabschluß- und Meisterprüfungskommission bewirkten 1976 die Verleihung der silbernen und 1979 der goldenen Ehrennadel der Bundesinnung. Weiters wurde Raimund Buhr II im Jahre 1999 mit dem “Goldenen Verdienstzeichen des Landes Wien” ausgezeichnet. 1982 begann ich, Andreas Buhr, und 1985 mein Bruder Raimund Buhr III als vierte Generation mit der Lehrzeit um den Weiterbestand dieses Familienbetriebs zu sichern.

 

Nach der Lehrabschlußprüfung 1985 (Andreas Buhr) und 1988 (Raimund Buhr III), sowie mehrjähriger Praxis im elterlichen Betrieb, absolvierten wir unsere Meisterprüfungen in den Jahren 1992 und 1999. Im Jahre 2002 begab sich Raimund Buhr senior in den wohlverdienten Ruhestand und übergab meinem Bruder und mir den Betrieb. Mit Aufträgen durch die Bundesmobilienverwaltung (Staatsvertragstische), diversen Kirchenrestaurierungen, Heldenberg (Niederösterreichische Landesausstellung 2005), Arbeiten für Schloss Schönbrunn und viele andere mehr, führten mein Buder und ich die “Buhr´sche” Tradition fort.

 

Seit 2007 arbeite ich nun alleinverantwortlich in unserem Traditionsbetrieb und führe zudem mit Goldlieb eine neue Designlinie, in der ich, zusammen mit meiner Frau Christine Dosch, ausgefallene vergoldete, versilberte oder mit Schlagmetall belegte Objekte entwerfe und produziere.